Ordnung

lat. ordo "Reihe, Ordnung; Rang, Stand"; griech. kósmos "Ordnung, Anstand, Schmuck" (speziell "Weltordnung, Weltall")   Prechtl, Peter / Burkard, Franz-Peter (Hrsg.): Metzler Philosophie Lexikon. Metzler, Stuttgart 1999
"Ordnung beschreibt die Gesamtheit regelmäßiger Beziehungen zwischen Elementen eines Systems.Die materielle Welt hat eine heterogene, diskontinuierliche Struktur; sie besteht aus in Größe und Qualität verschiedenen Teilen (Kernbausteine, Atome, Moleküle, biologische Großmoleküle; Sonnensysteme, Galaxien). Zwischen den Teilen bestehen O.-beziehungen, die charakteristisch sind für das Strukturniveau der Materie und ein spezielles System von Gesetzen bilden. Für die Beschreibung von O.-zuständen sind Symmetrieüberlegungen zweckmäßig, die den invarianten Aspekt eines Ganzen auf einer bestimmten Stufe seiner Entwicklung beschreiben (Shubnikov - Koptsik 1977) [...]
die Gesamtheit der wesentlichen und unwesentlichen, allgemeinen und besonderen, notwendigen und zufälligen Beziehungen der Elemente werden erfasst durch die Einheit von Ordnung und Chaos; diese stehen zueinander in einer dialektischen Beziehung und können aufgefasst werden als Kategorien der materialistischen Dialektik. Derart werden grundlegende Eigenschaften (vor allem der materiellen Welt) beschreibbar, wobei sowohl notwendige als auch zufällige Ereignisse Berücksichtigung finden. [...]"¹
  ¹ Sandkühler, Hans Jörg (Hrsg.): Europäische Enzyklopädie zu Philosophie und Wissenschaften. Meiner, Hamburg 1990
Architektur wird häufig auch als gebaute Ordnung bezeichnet. In diesem Sinn kann der architektonische Entwurfsprozess als Ordnungsprozess verstanden werden.    
In De Architectura Libri Decem beschreibt Vitruv "das Weltall als architektonische Konstruktion".
Die "Gesetze des Kosmos und der Architektur" werden dabei "offensichtlich als identisch angesehen."² Nach antikem Verständnis unterliegen alle Dinge, sowohl die natürlichen, als auch die von Menschenhand geschaffenen, denselben (göttlichen) Gesetzen, die in der Harmonie der Maße und Proportionen zum Ausdruck kommen.
  ² Hanno-Walter Kruft: Geschichte der Architekturtheorie.
Verlag C. H. Beck, München 1995, S. 24
Überzeugungen bezüglich vorhandener Ordnungen finden ihren Ausdruck in den Proportionen der Architektur (z. B. Goldener Schnitt).    
*"Der Ordo, die Ordnung der Welt und des Seins, entstand nach Platon durch das Werk eines Demiurgen aus dem Chaos, während Aristoteles von einer vorgängigen Ewigkeit der Ordo ausging. Für Augustinus (De civitate Dei XIX, 13) ist Ordo die 'Zusammenstellung gleicher und ungleicher Dinge durch Zuweisung des einem jeden zukommenden Standorts', eine Ordnung, die von Augustinus über Thomas bis zu Luther als von Gott gesetzt betrachtet wurde und in der auch dem Bösen sein Platz zugewiesen war. Mit dem Aufkommen der Wissenschaften im modernen Sinn verliert der Ordo seine Zuordnung auf Gott, wird als der Natur innewohnend betrachtet und von Kant schließlich ins Subjekt verlegt: 'Die Ordnung und Regelmäßigkeit also an den Erscheinungen, die wir Natur nennen, bringen wir selbst hinein ...' (KrV A 125). Der Ordo-Begriff qualifiziert nicht länger den Stellenwert einzelner Elemente in einer hierarchisch aufgebauten Schöpfungsordnung. Er wird abhängig vom Menschen selbst, der Ordnungen erkennt oder sie frei schafft, die 'alten' Ordnungen (auch im politischen Sinn) durch 'neue' Ordnungen ersetzt. Durch die Relativierung und Pluralisierung des Ordo entsteht ein formaler, funktionaler Ordnungsbegriff, der heute in Begriffe wie Struktur, Gestalt, System oder Regelsystem übergeht und nur noch in der Theologie seinen absoluten Sinn behalten hat."³   ³ Metzler Philosophie Lexikon 1999 (Angaben s.o.)
Literatur:

Gehlhar, Fritz: Wie der Mensch seinen Kosmos schuf. Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 1996

Naredi-Rainer, Paul von: Architektur und Harmonie. Zahl, Maß und Proportion in der abendländischen Baukunst. DuMont, Köln 1999 (6., überarbeitete Auflage, 1. Auflage 1982)

Sandvoss, Ernst R.: Sternstunden des Prometheus. Vom Weltbild zum Weltmodell. Insel (tb 2243) Frankfurt am Main, Leipzig 1998

   
Architekten über Ordnung:

Giorgio Grassi

Richard Meier

   
 

Verfasserin:
Katrin Lederer Dipl.-Ing. Architektur
E-Mail: katrinlederer@web.de

Seite zuletzt aktualisiert
am 27.04.2005

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