Hygiene |
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Die Hygiene spielt vor allem in Architektur und Architekturtheorie der Moderne
eine zentrale Rolle. Ihren theoretischen Ausdruck findet sie im Ruf nach
Licht, Luft und Sonne! |
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| Die Bedeutung der Hygiene für die moderne Architektur und -Theorie lässt sich dabei nicht allein aus ihrem medizinischen Nutzen erklären; die Hygiene erlangte vielmehr über ihre sozialpolitische Notwendigkeit kulturelle, psychologische und anthropologische Bedeutung, die wiederum die Architektur prägte. | ||
| Die Impulse kamen im 19. Jh. zuerst aus der Medizin, denn Ärzte unterlagen zu dieser Zeit dem Kurierzwang und waren daher angesichts der schlimmen hygienischen Bedingungen vor allem in den Armutsvierteln der Städte zum Handeln gezwungen. | Claus Pfingsten: "die 'saubere Knappheit der Form'". In: DASA 2004 (Angaben siehe unten), S. 161 |
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| Zum Paradigma der modernen Architektur wurde die Hygiene aber erst durch die Lebensreformbewegung um 1900, die die Hygiene zur auch ideellen Grundlage des guten Lebens machte. | ||
| Die Erkenntnisse der modernen Medizin und Biologie (seit der 2. Hälfte des 19. Jh.) waren dagegen nicht in direkter Weise prägend, sie erlangten vielmehr indirekte Bedeutung als wissenschaftliche Nobilitierung der Architekturtheorie. | ||
| Das Krankenzimmer und der Operationssaal wurden wegen ihrer konsequenten hygienischen Durchbildung zum architektonischen Typus. | ebenda, S. 160 | |
| → siehe unten |
| Begriffsgeschichte: | ||
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"Gesundheitspflege, Gesundheitslehre; Sauberkeit": Das Fremdwort wurde im 18. Jh. zu dem griech. Adj. hygieinós "gesund, der Gesundheit zuträglich" gebildet, das mit hygieia "gesundheit" von hygies "gesund, munter; gut, heilsam" (eigentlich: "gut lebend") abgeleitet ist. [...] |
Duden. Das Herkunftswörterbuch.
Etymologie der deutschen Sprache. (Duden Bd. 7) Dudenverlag, Mannheim 1989 |
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| Zur Bedeutungsentwicklung der Hygiene: | ||
| Definition von F. Oesterlen 1851 im ersten deutschsprachigen Handbuch zur Hygiene: | ||
| Hygiene bezeichnet die "Wissenschaft von den auf die Gesundheit der Bevölkerung einwirkenden Faktoren." | zit. n. Barsch / Hejl, in: Barsch / Hejl 2000 (Angaben siehe unten), S. 53 |
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| Um die Mitte des 19. Jh. wurde der positive Einfluss von Desinfektionsmaßnahmen in der Medizin und wenige Jahrzehnte später die Ursache verschiedener Krankheiten in bakteriellen Erregern erkannt. Die biologischen Erkenntnisse fanden bald Anwendung in "allgemeinen Hygienemaßnahmen wie Straßenreinigung, Abfallbeseitigung, vor allem aber [im] Wasserleitungs- und Abwasserkanalbau [...] Hinzu kamen [...] zahlreiche spezifische Maßnahmen, z.B. beim Transport, bei Lagerung und Zubereitung von Nahrungsmitteln etc. Die zweite Jahrhunderthälfte wurde so zu einer Periode, in der "Hygiene" zu einem zentralen Konzept für Fortschritt und Gesundheit wurde und damit zu einer Metapher für die Anwendung der erfolgreichen naturwissenschaftlichen Methoden nicht nur in der Medizin und Technik, sondern auch als Muster für Eingriffe in den Lebensalltag." | ebenda | |
| Die Anwendung der Hygiene auf die Gesellschaft wurde vor allem von den Begründern und Vertretern der Rassenhygiene angestrebt. | ||
| In der Lebensreformbewegung wurde die Hygiene aufgegriffen, gemeinsam mit anderen Prinzipien (Bewegung an frischer Luft, gesunde Ernährung, Alkoholabstinenz, bequeme Kleidung etc.) zu neuen Konzepten der Lebensführung synthetisiert und verinnerlicht. | ||
| Eine verinnerlichte Form der Hygiene findet sich auch in der sogenannten Gedankenhygiene; die Psychohygiene stellt dagegen eine Anwendung der Hygiene auf die Psychologie dar. | vgl. http://www.lexikonia.de |
| Literatur: | ||
| Barsch, Achim / Hejl, Peter (Hrsg.): Menschenbilder. Zur Pluralisierung der Vorstellung von der menschlichen Natur (1850 - 1914). Suhrkamp (stw), Frankfurt am Main 2000 | ||
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Buchholz, Kai / Latocha, Rita / Pechmann, Hilke / Wolbert, Klaus (Hrsg.):
Die Lebensreform. Entwürfe zur Neugestaltung von Leben und Kunst um 1900.
Katalog zur Ausstellung (2 Bde.), Verlag Häusser, Darmstadt 2001
→ dort: |
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| Wybke Bechtel: "Die Hygienebewegung", 2. Bd. S. 503 ff. | ||
| Kai Buchholz / Renate Ulmer: "Praktische Haushaltsführung": "Von der dunklen zur hellen Küche", 2. Bd. S. 539 f. | ||
| Deutsche Arbeitsschutzausstellung (DASA): Sei sauber! Eine Geschichte der Hygiene und öffentlichen Gesundheitsvorsorge in Europa. Katalog zur Ausstellung im Musee d' Histoire de la Ville de Luxembourg (MHVL), Wienand Verlag, 2004 | ||
| Kirsch, Karin: Die neue Wohnung und das alte Japan. Architekten planen für sich selbst. DVA, Stuttgart 1996, S. 26 ff. |
| Hygiene und Architektur, Architekten über Hygiene: |
Hannes Meyer: "Interieur Co-op", 1926
"Neues hygienisches Wohnen".
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| Verfasserin: Katrin Lederer Dipl.-Ing. Architektur E-Mail: katrinlederer@web.de |
Seite zuletzt aktualisiert am 10.10.2005 |
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