Heimatschutzstil / Heimatschutzarchitektur |
| Architektonische Richtung von etwa 1900 bis nach 1945, die sich in Reaktion auf Historismus und Moderne entwickelte. | ||
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Heimatschutzstil oder Heimatschutzarchitektur ist die in Deutschland
und Österreich gebräuchliche Bezeichnung für Heimatstil in der Schweiz,
Nationale Romantik in England, Finnland und Polen und Regionalismus
in Frankreich.
Der Heimatschutzstil ist untrennbar verbunden mit der Heimatschutzbewegung und betont besonders die regionalen Traditionen des Bauens. Dieser Aspekt begründet die Vereinnahmung von Heimatschutzstil und Heimatschutzbewegung durch die Blut- und Bodenideologie der Nationalsozialisten. |
Elisabeth Castellani Zahir: Nichts
Internationaleres, als die "Nationale Romantik"? Architekturforschung zum Schweizer
Heimatstil 1900 bis 1914 - Ergänzende Bemerkungen zum Abstract, 15.12.1998
http://www.articulations.ch/ |
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| Der Heimatschutzstil wurde vor allem im Siedlungs-, Haus- und Villenbau, in der Gartenkunst, im Kirchenbau und in der Denkmalpflege wirksam. Bedauerlicherweise lässt die enge Verflechtung mit der NS-Ideologie bis heute die kulturellen Verdienste der Heimatschutzbewegung in den Hintergrund treten und verhinderte bis vor wenigen Jahren die sachliche Beschäftigung mit dem Heimatschutzstil. Die Heimatschutzbewegung spielte eine Vorreiterrolle im Denkmalschutz, besonders dem Schutz von Zeugnissen der Alltagskultur, im Naturschutz und im Schutz und der Wertschätzung regionaler Kulturlandschaften. | ||
| Besonders der enge Bezug zur Natur und die daraus folgenden Gestaltungselemente rücken den Heimatschutzstil in unmittelbare Nähe zur Landhausbewegung, so dass eine Unterscheidung oft kaum möglich ist. | ||
| Historischer Bezugspunkt beider architektonischer Bewegungen war die Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts, in der Alltagsgegenstände und Bauwerke noch handwerklich gefertigt wurden, d. h. die Zeit vor der Industrialisierung. Gegen die stilistische Beliebigkeit des Historismus setzten die Vertreter von Heimatschutzstil und Landhausbewegung die Einfachheit und vermeintliche Selbstverständlichkeit lokaler und ländlicher Bautradition. | ||
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Vorläufer sowohl des Heimatschutzstils als auch der Landhausbewegung sind
zu finden in der englischen Reformbewegung der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts (arts and crafts und garden cities). |
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| Formal charakteristisch für beide architektonische Richtungen sind steile Satteldächer, Walm- und Krüppelwalmdächer, die bewusste gestalterische Verwendung natürlicher Baustoffe wie Naturstein und Holz, einfache Fassaden oft mit Bewuchs und liegende Fensterformate mit mehrfacher Sprossengliederung. | ||
| Im Gegensatz zur Landhausbewegung, die sich auch in Deutschland auf die englischen Vorbilder bezog und deren Bauformen adaptierte, betonte aber der Heimatschutzstil die lokalen Traditionen und Besonderheiten. | ||
| Bedeutende Vertreter in Deutschland waren u. a. Heinrich Tessenow, Paul Schultze-Naumburg, Paul Schmitthenner, Fritz Schumacher und Theodor Fischer. | ||
| Literatur: | ||
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Rudorff, Ernst: Heimatschutz. 3. Aufl. Berlin 1904
Schultze-Naumburg, Paul: Kulturarbeiten. 9 Bde. München 1907-1917 Mebes, Paul: Um 1800. München 1908 Unwin, Raymond: Grundlagen des Städtebaus. Berlin 1910 Ostendorf, Friedrich: Sechs Bücher vom Bauen. Berlin 1913 Der deutsche Heimatschutz, ein Rückblick und Ausblick. München 1930 Schumacher, Fritz: Strömungen in deutscher Baukunst seit 1800. Leipzig 1935 Schmitthenner, Paul: Das sanfte Gesetz in der Kunst. Straßburg im Elsass 1943 Deutscher Heimatbund (Hg.): 50 Jahre Deutscher Heimatbund, Deutscher Heimatschutz. Neuss 1954 Hamann, Richard/Hermand, Jost: Stilkunst um 1900. Berlin 1967 Muthesius, Stefan : Das englische Vorbild. München 1974 Hartmann, Kristiana: Deutsche Gartenstadtbewegung. München 1976 Posener, Julius: Vorlesungen zur Geschichte der Neuen Architektur 1750-1933. Aachen 1983 Huse, Norbert (Hg.): Denkmalpflege. Deutsche Texte aus drei Jahrhunderten. München 1984 Nerdinger, Winfried (Hg.): Süddeutsche Bautradition im 20. Jahrhundert. München 1985 Andresen, Hans-Günther: Bauen in Backstein. Schleswig-holsteinische Backsteinarchitektur. Heide in Holstein 1989 Magirius, Heinrich: Geschichte der Denkmalpflege. Sachsen. Berlin 1989 Findeisen, Peter: Geschichte der Denkmalpflege. Sachsen-Anhalt. Berlin 1990 Klueting, Edeltraut (Hg.): Antimodernismus und Reform. Zur Geschichte der deutschen Heimatbewegung. Darmstadt 1991 Hepp, Corona: Avantgarde, moderne Kunst, Kulturkritik und Reformbewegung nach der Jahrhundertwende. 2. Aufl. München 1992 Nerdinger, Winfried (Hg.): Bauen im Nationalsozialismus. Bayern. München 1994 Engel, Helmut: Meisterwerke Berliner Baukunst - Villen und Landhäuser. Verlagshaus Braun, Berlin 2001 Mittmann, Elke: Architektur und Elektrizität. Diss. Leipzig 2004 |
Literaturliste zur Ankündigung des Hauptseminars
"Heimatschutzbewegung und Heimatschutzarchitektur" an der Universität Leipzig,
Institut für Kunstgeschichte, Prof. Dr. Thomas Topfstedt, Sommersemester 2005 |
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| Verfasserin: Katrin Lederer Dipl.-Ing. Architektur E-Mail: katrinlederer@web.de |
Seite zuletzt aktualisiert am 05.08.2006 |
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