Entwicklung

 

 

allg.: Prozess der Entstehung, der Veränderung bzw. des
Vergehens

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Architekturtheorie:

Vor dem Hintergrund eines bestimmten (z. B. pragmati-
schen oder organischen) Architekturverständnisses kann
der Prozess der Architekturentstehung als Entwicklungs-
prozess beschrieben werden. Architektur lässt sich dann
vermeintlich vollständig aus dem praktisch Notwendigen
oder natürlich Gegebenen entwickeln.

 

à organische Architektur

à Pragmatismus

 

Philosophie:

 

"Prozess der Veränderung von Seiendem in der Aufein-
anderfolge von verschiedenen Formen und Stadien. [...]

In der engeren philosophischen Tradition meint der Begriff
als Übersetzung für lat. explicatio (und evolutio) zunächst
im Anschluss an die neuplatonische Tradition und des Be-
griffspaars complicatio / explicatio bei Cusanus die Aus-
faltung des in der Einheit des göttlichen Grundes Eingefal-
teten. Allgemein bedeutet so E. das Zur-Erscheinung-
Kommen und Ausdifferenzieren eines bereits in einer un-
unterschiedenen Einheit enthaltenen.

Kant unterscheidet, in Abgrenzung zum organischen
Verständnis der Menschheitsentwicklung bei Herder, die
geschichtliche E. der menschlichen Gattung von einer na-
turgeschichtlichen. Die E. des Menschen setzt seine ei-
gene freie und zwecksetzende Tätigkeit voraus.

Hegel spricht von der dialektischen E. des Geistes, des-
sen Bestimmung es ist, aus seinem 'An-sich-sein' heraus-
zutreten und sich in das ihm fremde 'Anders-sein' zu ent-
lassen, um so in der Auseinandersetzung mit sich zum
Bewusstsein seiner selbst, zum 'An-und-für-sich-sein' zu
gelangen."

Prechtl, Peter / Burkard,
Franz-Peter (Hrsg.): Metzler
Philosophie Lexikon. Metzler,
Stuttgart 1999
à

"Für Bergson zeichnet sich das Leben, getragen vom
élan vital, durch eine fortwährende schöpferische E. (évo-
lution créatrice) aus, in deren Verlauf es immer neue For-
men hervorbringt und wieder auflöst."

 

"In den Geschichts- und Sozialwissenschaften fungiert
der Entwicklungsgedanke als hermeneutisches Prinzip,
mit dessen Hilfe der jeweilige Stand der Verhältnisse
durch Kenntnis seiner Vorformen und Veränderungsge-
setzlichkeiten besser verstanden werden soll bzw. künfti-
ge E.en besser abgeschätzt werden können. [...]"

 

Soziologie:

Innerhalb der Soziologie bedeutet E. vor allem gesell-
schaftliche Entwicklung.

 

Der Entwicklungsgedanke wurde für die Soziologie von
Herbert Spencer geprägt (etwa zeitgleich mit der
Evolutionstheorie Darwins).

 

Spencer erklärte die Entwicklung zum grundlegenden
Prinzip der Entstehung und Veränderung sowohl natürli-
cher, als auch gesellschaftlicher Phänomene und Zusam-
menhänge. Sein Gesetz der Entwicklung lautet wie folgt:

 

"Die Entwicklung ist eine Integration der Materie, die
von einem Aufwand an Bewegung begleitet wird;
während ihres Verlaufs geht die Materie aus unbe-
stimmter, zusammenhangloser Homogenität in be-
stimmte, zusammenhangvolle Heterogenität über,
und die aufgewendete Bewegung erleidet eine gleich-
laufende Umformung."

Wortlaut Spencer, zit. n.:
Hans Joachim Störig: Kleine
Weltgeschichte der Philosophie.
Fischer, Frankfurt am Main 1997,
S. 487

In seinem Hauptwerk "System der synthetischen Philoso-
phie" (1862 - 1896; 10 Bde.) wandte er den Entwicklungs-
gedanken an auf Biologie, Psychologie, Soziologie und
Ethik.

 

Die Philosophie Spencers repräsentiert den politischen
Liberalismus des 19. Jh. Spencer war der Überzeugung,
daß nur die größtmögliche Freiheit des Einzelnen gesell-
schaftliche Entwicklung garantiert, die für ihn gleichbe-
deutend mit Fortschritt war. Jeder staatliche Eingriff
hemmte die Entwicklung und damit den Fortschritt. Auch
den sozialen Missständen dachte Spencer nicht durch
staatlichen Eingriff begegnen zu können, sondern durch
einen "freiwilligen Zusammenschluss auf genossenschaft-
licher Basis. So könnte auf der Grundlage der Mitbestim-
mung aller der Übergang von der zwangsweisen Zusam-
menarbeit zu einem Zustand erfolgen, in dem der einzel-
ne nicht mehr für den Staat, sondern der Staat für den
einzelnen da wäre, und in dem die Menschen nicht mehr
leben würden, um zu arbeiten, sondern arbeiten, um zu
leben."

H. J. Störig 1997 (A. s. o.),
S. 490

Mit dem Entwicklungsgedanken in der Soziologie ist un-
trennbar der Begriff des Fortschritts verbunden.

 

Unter Fortschritt versteht man eine als Verbesserung be-
wertete Veränderung des Zustandes, gelegentlich auch
ein wertfreies Näherkommen an ein Ziel.

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à

Der Begriff prägt in besonderer Weise das Weltbild der westlichen Moderne.

Das Fortschrittsdenken beinhaltet folgende geschichtsphi-
losophischen Axiome:

- Die geschichtliche Entwicklung verläuft linear.

- Der allgemeine Zustand wird zunehmend besser, even-
tuell durch Rückschläge unterbrochen.

- Eventuell kommt noch die Vorstellung hinzu, dass die
Veränderungen einem Ziel zusteuern ("Teleologie")

- Oft ist mit dem Fortschrittsglauben die Vorstellung ver-
bunden, dass sich Geschichte planvoll entwickle.

 

Diese Axiome lassen sich zurückführen auf die philoso-
phiehistorischen Ursprünge des Entwicklungsbegriffs
(Entwicklung verstanden als Ent-Wicklung von etwas,
das bereits in aufgewickeltem Zustand vorhanden ist).

 

Biologie

 

"Der biologisch-genetische E.-Begriff bezieht sich auf Ver-
änderungsfolgen, die im Verlauf (a) der Entstehungsge-
schichte von Lebewesenarten aufgrund des Evolutions-
drucks (Phylogenese; Evolution) oder (b) der individuellen
E. von Angehörigen einer bestimmten Lebewesenart (On-
togenese) aufgrund biogenetischer Faktoren auftreten,
sich in Reifung von Organen und Organfunktionen sowie
in Wachstum äußern und in der Zeitspanne zwischen
Keim-E. (pränatale E.), Geburt und Erreichung des voll-
entwickelten Zustandes (postnatale E.) ablaufen. Kenn-
zeichnend ist die Anbindung an evolutionäre Vorgänge
bzw. an ein biogenetisches Programm und der Fortschritt
von primitiveren, undifferenzierten Ausgangsformen und
-strukturen zu höherentwickelten, differenzierteren Endfor-
men und -strukturen des Organismus."

Werner D. Fröhlich:
Wörterbuch Psychologie.
dtv, München 1997

   Ontogenese:

allg.: Geschichte des strukturellen Wandels einer Einheit
ohne Verlust ihrer Organisation

biolog.: Entwicklung / Wachstum eines Lebewesens

 

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à

   Phylogenese:

lat. phylum = Stamm; Stammesentwicklung der Lebewe-
sen im Verlauf der Erdgeschichte; Entwicklung einer Art

 

   Evolution:

lat. evolvere = abwickeln

allg.: langsame, kontinuierlich fortschreitende Entwicklung

Evolutionstheorie: langsame, kontinuierliche Entwicklung von lebloser Materie zu der heutigen Vielfalt des Lebens

 

Psychologie:

   Entwicklungspsychologie:

Entwicklung einer Persönlichkeit

 

Weitere Bedeutungen hat der Entwicklungsbegriff in der
Chemie, Physik, Mathematik und Ökonomie.

 

(Für die Inhalte der verlinkten Seiten verantworte ich mich ausdrücklich nicht.)

 

 

 

Verfasserin:

Katrin Lederer Dipl.-Ing. Architektur
E-Mail:
katrinlederer@web.de

 

Seite zuletzt aktualisiert am:
10.05.2005

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