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Bedürfnis
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allg.: Ein Bedürfnis
ist der Wunsch oder auch die Not-
wendigkeit, einen Mangel zu beseitigen.
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www.lexikonia.de,
28.04.2005
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Psychologie:
In der Psychologie bezeichnet
Bedürfnis einen physiolo-
gischen oder psychologischen Mangel- und Erlebniszu-
stand, der üblicherweise mit dem Streben nach Bedürfnis-
befriedigung verbunden ist. Zu unterscheiden sind ange-
borene, primäre (Hunger, Durst...) sowie sekundäre, d. h.
soziale (Streben nach sozialer Anerkennung, Integration)
sowie kulturell bedingte Bedürfnisse.
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www.lexikonia.de,
28.04.2005
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Wirtschaftswissenschaften:
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"In der Terminologie der Wirtschaftswissenschaften
stel-
len Bedürfnisse als Option die Vorstufe des Bedarfs dar.
Aus einem Bedürfnis wird dann ein Bedarf, wenn ein dem
Bedürfnis adäquates Produkt (oder Dienstleistung) Be-
dürfniserfüllung, d.h. Beseitigung des empfundenen Ma-
ngels, verspricht. Der Bedarf wird zur Nachfrage, wenn
bei vorhandener Kaufkraft am Markt Kaufabsicht geltend gemacht wird."
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www.lexikonia.de, 28.04.2005
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Seit Beginn des 20. Jh. gilt erklärtermaßen der Mensch
als Maßstab der Architektur:
Der Mensch ist das Maß aller Dinge.
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Seitdem wird
von Architekten behauptet und von Kritikern
gefordert, daß sich Architektur an menschlichen Bedürf-
nissen orientiere bzw. zu orientieren habe.
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Dieser Anspruch
ist aber durch die architektonische Ent-
wicklung im 20. Jh. in Misskredit geraten. Die in den 70ern
vorgeblich nach neuesten Erkenntnissen der Sozialfor-
schung errichteten Großsiedlungen sind heute soziale
Brennpunkte trotz aufwendiger Sanierungsprogramme.
Auch die Mittel der Postmoderne waren dem Anspruch
nicht gewachsen. Statt Komplexität und Widerspruch
brachte sie Banalität und erzeugte Überdruss. Gegen den
Verlust des menschlichen Maßstabs in den Städten scheint Architektur
machtlos, und immer wieder wurde
und wird daher betont, daß mit Architektur nicht soziale
Probleme gelöst werden könnten, daß es dazu vielmehr
eines politischen und kulturellen Rahmens bedürfe.
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Die Thematik um
die Defizite, Möglichkeiten und Grenzen
von Architektur hinsichtlich der Befriedigung menschlicher
Bedürfnisse gewann ihre Bedeutung im ausgehenden
19. Jh. mit dem rasanten Anwachsen der Industriestädte,
mit wachsender Wohndichte, Wohnungsmangel und Spe-
kulation, verbunden mit katastrophalen hygienischen Zu-
ständen und ganz allgemein miserablen Lebensbedingu-
ngen (schlechte Arbeitsbedingungen, lange Arbeitszeiten
und geringe Entlohnung, Massenarmut, Mangelernäh-
rung, Alkoholismus, Kriminalität). Aber erst in der Weima-
rer Republik wurde nicht mehr nur repressiv reagiert, son-
dern konnten durch genossenschaftliche Bauvereine und
dank staatlich geförderter Wohnungsbauprogramme un-
zählige Wohnungen und Siedlungen entstehen.
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Dabei dienten
die offensichtlich unbefriedigten menschli-
chen Grundbedürfnisse der Architektur als vorrangiges
Maß (was durch die heutige Beliebtheit der Wohnungen
aus dieser Zeit bestätigt wird). Zugleich bringen die Theo-
rien der architektonischen Moderne vielfach die Intention
zum Ausdruck, die Menschen mit Architektur zu erziehen.
In der Tradition des späten 19. Jh. meinte man, die Mas-
sen bändigen zu müssen, und die Architektur wurde als
durchaus geeignetes Mittel gesehen. Die Befriedigung der
Bedürfnisse der (potentiellen) Nutzer war dabei nicht mehr
vor allem Maßstab, sondern Erziehungsinstrument. Indem
die Architektur darauf angelegt wurde, mit ihren Mitteln die
Bedürfnisbefriedigung zu fördern oder zu verhindern, soll-
te die Entwicklung der modernen Menschen in bestimm-
te Bahnen gelenkt werden, sich nach und nach ein neuer
Menschentypus herausbilden und dadurch eine neue Ge-
sellschaft möglich werden.
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Diesen Utopien
lagen bestimmte Vorstellungen vom Men-
schen zugrunde, die wiederum die Überzeugungen von
dessen Bedürfnissen und deren Wertung bestimmten:
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Als Bedürfnisse
wurden vor allem die physischen Grund-
bedürfnisse verstanden, während die Bedürfnisse nach
materieller Sicherheit und Wohlstand, sozialem Status,
individueller Entwicklung und Selbstverwirklichung kritisch
gesehen bis abgelehnt wurden.
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à Individualität und Masse
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Hannes Meyer
interpretierte die
Orientierung der Archi-
tektur an Bedürfnissen im Hinblick auf eine ideologisch
gegründete Vorstellung von menschlichem Leben, Gesell-
schaft verstand er modellhaft als geschlossenes Ganzes.
Im Hinblick auf diese Gesellschaftsganze (Kollektiv) ent-
wickelte er einen funktionalistischen Architekturbegriff:
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"unter Architektur
verstehe ich die kollektivistische
oder unter ausschluss des persönlichen erfolgende
deckung aller lebensbedürfnisse; deren realisieru-
ngen unterliegen dem gesetz des geringsten wider-
standes und der ökonomie; deren ziel muss es sein,
das optimum an funktion zu erreichen."
à Funktion, Funktionalismus
Meyer
unterschied nicht zwischen Bedürfnis und Bedarf,
d.h. Bedürfnisse sah er wie den Bedarf bezogen auf Mög-
lichkeiten und Intentionen ihrer Befriedigung bzw. der
(Bedarfs-)Deckung.
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H. Meyer: "Curriculum vitae",
in: Meyer-Bergner, Lena (Hrsg.):
Hannes Meyer: Bauen und Ge-
sellschaft. Schriften, Briefe, Pro-
jekte. Bearbeitet und mit Einfüh-
rungen versehen von Klaus-Jür-
gen Winkler. VEB Verlag der
Kunst, Dresden 1980 (Verlag der
Kunst G+B Fine Arts Fundus Bd.
64/65. 2002), S. 14
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"Der amerikanische
Psychologe Abraham Maslow [1908 -
1970] hat [...] fünf Bedürfnisebenen definiert. Der Mensch
ist dabei bestrebt zunächst die unterste dieser Bedürfnis-
ebenen zu befriedigen um danach die jeweils nächst hö-
here zu erreichen.
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www.lexikonia.de,
28.04.2005
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Bedürfnisebenen nach Maslow:
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Entwicklungsbedürfnis
beispielsweise: Bedürfnis nach Selbstentfaltung, -ent-
wicklung
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Wertschätzungsbedürfnis
zum Beispiel: Bestätigung, Anerkennung durch andere
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Soziale Bedürfnisse
beispielsweise: soziale Kontakte, Kommunikation
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Sicherheitsbedürfnis
zum Beispiel private Sicherheit, Sicherung der Grundbe-
dürfnisse in der Zukunft
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Grundbedürfnisse
beispielsweise: Essen, Trinken, Wohnung, Liebe, etc."
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Die unteren Stufen werden Defizitbedürfnisse
genannt,
die oberen Wachstumsbedürfnisse.
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Als Defizitbedürfnisse zielen Bedürfnisse auf den Aus-
gleich eines Mangels; wenn der Mangel behoben ist, ist
das Bedürfnis befriedigt.
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Als Wachstumsbedürfnisse sind Bedürfnisse dagegen
nicht durch Befriedigung zum Verschwinden zu bringen.
Das Streben nach Selbstverwirklichung beispielsweise
lässt nicht nach in der Erfüllung, sondern erfährt gerade
durch sie einen zusätzlichen Schub.
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Zu fragen ist, ob sich die Bedürfnisse tatsächlich so
ein-
teilen lassen, oder ob nicht alle diese Bedürfnisse sowohl
auf der Empfindung eines Mangels beruhen, als auch auf
Wachstum abzielen.
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(Für die Inhalte der verlinkten Seiten verantworte ich mich
ausdrücklich nicht.)
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Verfasserin:
Katrin Lederer Dipl.-Ing.
Architektur
E-Mail: katrinlederer@web.de
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Seite zuletzt aktualisiert am:
28.04.2005
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