Bauen |
|
allg.: Errichten von Bauwerken (1), im engeren Sinn:praktischer Teil des Architekturschaffens (2). |
||
|
Als Bauen wird (3) auch die Arbeit von ArchitektInnen bezeichnet. Bauen meint dann die Gesamtheit der Tätigkeiten von ArchitektInnen, die zur Verwirklichung von Architektur führt, von der Ideenfindung bis zur Bauabnahme. Dieses Verständnis von Bauen betont die Einheit, die Untrennbarkeit der einzelnen, z. T. sehr unterschiedlichen Tätigkeiten wie Analyse der Bauaufgabe, Ideenfindung und Entwurf, Vermittlung zwischen verschiedenen Interessen, Ausführungsplanung, Kostenmanagement, Bauüberwachung, Koordination der am Bau Beteiligten. Die Rede vom Bauen betont den praktischen, pragmatischen Aspekt der Architektentätigkeit und stellt das Theoretische und Konzeptionelle des Entwerfens zurück. → Pragmatismus |
| "Bauen" heißt ein Text von Hannes Meyer, der 1928 erstmalig in "bauhaus" (Zeitschrift für Gestaltung, Dessau) erschien. Darin formulierte er die Grundgedanken seiner pragmatischen Architekturauffassung: | "bauhaus" 2 (1928) 4, S. 12f. | |
|
alle dinge dieser welt sind ein produkt der formel: (funktion mal ökonomie) alle diese dinge sind daher keine kunstwerke: alle kunst ist komposition und mithin zweckwidrig. alles leben ist funktion und daher unkünstlerisch. [...] jedoch wie entsteht der Entwurf eines stadtplanes? oder eines wohnplanes? komposition oder funktion? kunst oder leben????? bauen ist ein biologischer vorgang. bauen ist kein ästhetischer prozess. elementar gestaltet wird das neue wohnhaus nicht nur eine wohnmaschinerie, sondern ein biologischer apparat für seelische und körperliche bedürfnisse. [...] |
| bauen | heißt die überlegte organisation von lebensvorgängen. | ||
| bauen | als technischer vorgang ist daher nur ein teilprozess. das funktionelle diagramm und das ökonomische programm sind die ausschlaggebenden richtlinien des bauvorhabens. | ||
| bauen | ist keine einzelaufgabe des architektenehrgeizes mehr. | ||
| bauen | ist gemeinschaftsarbeit von werktätigen mit erfindern. nur wer als meister in der arbeitsgemeinschaft anderer den lebensprozess selbst meistert, ... ist baumeister. | ||
| bauen | wird aus einer einzelangelegenheit von einzelnen (gefördert durch arbeitslosigkeit und wohnungsnot) zu einer kollektiven angelegenheit der volksgenossen. |
|
bauen ist nur organisation: soziale, technische, ökonomische, psychische organisation. |
||
| hannes meyer | ||
| (Hervorhebung entsprechend Quelle) |
| Hannes Meyer trat neben Ernst May und Joseph Frank innerhalb des CIAM dafür ein, dass anstelle des Architekturbegriffes der Begriff des Neuen Bauens verwendet werden sollte. |
Martin Steinmann: CIAM - Dokumente 1928-1939, Birkhäuser Verlag Basel und Stuttgart, 1979 |
|
|
→ CIAM → Neues Bauen Literatur: siehe unter Pragmatismus |
|
In einem anderen Bedeutungszusammenhang erscheint Bauen bei Heidegger: Heideggers "Denkversuch stellt das Bauen überhaupt nicht von der Baukunst und der Technik her dar, sondern er verfolgt das Bauen in denjenigen Bereich zurück, wohin jegliches gehört, was ist. [...]" Anhand der Etymologie der Begriffe zeigt Heidegger die Nähe des Bauens zum Wohnen und darüber zum Sein. Und über diesen Bezug wird auch die Verbindung der beiden Bedeutungen des bauens, als hegen und pflegen und als errichten, sichtbar. |
Martin Heidegger: Bauen Wohnen Denken. In: Mensch und Raum. Darmstadt 1952. S. 72 - 84 (Vortrag gehalten am 5. August 1951 im Rahmen des Gesprächs über "Mensch und Raum") |
|
"Hören wir [...] auf das, was die Sprache im Wort bauen sagt, dann vernehmen wir
dreierlei:
Bauen - als Wohnen - zählt damit für Heidegger neben der Sorge und dem Verstehen zu den Existentialien, d. h. zu den Aspekten, die das Sein kennzeichnen. Textauszug Heidegger: Bauen Wohnen Denken |
| Verfasserin: Katrin Lederer Dipl.-Ing. Architektur E-Mail: katrinlederer@web.de |
Seite zuletzt aktualisiert am 21.06.2005 |
zurück zum Zettelkasten: bitte Fenster schließen |