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In einem Interview mit DIE ZEIT, im Dezember 2004:
ZEIT: Sind Sie
in die Architekturtheorie geflüchtet?
EISENMAN: Ist
England wurde mir bewusst, dass Archi-
tektur eben nicht nur eine praktische Kunst ist, sondern
dahinter immer eine Ideenwelt steckt.
ZEIT: Dennoch
hätten Sie natürlich weiterhin bauen kön-
nen, was Sie nicht taten.
EISENMAN:
Vielleicht hatte ich Angst vor dem Scheitern.
Vielleicht fühlte ich mich noch nicht bereit für das Bauen.
Ich musste erst verstehen, was ich da eigentlich machte.
ZEIT: Hilft
denn die Theorie beim Entwerfen?
EISENMAN:
Überhaupt nicht. Das geht eher intuitiv. Man-
che Ideen fallen mir unter der Dusche ein oder sonstwo.
Natürlich spielen bestimmte theoretische Überlegungen
mit hinein, aber wenn die Theorie nicht funktioniert, wer-
fen wir sie raus.
ZEIT: Das
heißt, Ihre Bücher haben mit Ihren Häusern nur
wenig zu tun?
EISENMAN: Ich
schreibe, weil ich während des Schrei-
bens viel über meine Arbeit lerne. Genauso ist es mit der
Lehre: Ich spreche mit meinen Studenten, und plötzlich
kommt eine neue theoretische Idee aus mir heraus. Ich
setze mich also nicht bewusst hin, um mir etwas Theore-
tisches auszudenken. Vielmehr lasse ich es einfach flie-
ßen. Ich bin das, was C. G. Jung einen intuitiven Denker-
Typus nennt.
[...]
Wenn Palladio
nicht seine berühmten Bücher geschrieben
hätte, würden wir wohl nichts mehr von ihm wissen. Wenn
es von Corbusier nicht Vers une architecture gäbe, würde
kein Mensch seine kleinen weißen Häuschen zur Kennt-
nis nehmen. So etwas haben ja damals viele gebaut. Alle
großen Architekten sind groß dank ihrer Bücher, sogar
Mies van der Rohe hatte ein Magazin. Ich schreibe, um
Teil einer künftigen Kultur zu sein.
ZEIT: Also um
erinnert zu werden?
EISENMAN: Ein Teil der Geschichte zu sein ist mir wich-
tig. Das ist für mich wie bei Faust und dem Teufel. Der
Teufel kann einem Reichtum, Liebe und Macht geben, er
kann sie aber auch wegnehmen. Die Geschichte aber
kann einem keiner wegnehmen. Und zu dieser Geschich-
te gehört eben auch das Schreiben. Ich glaube, wer als
Architekt nicht schreibt, ist kein großer Architekt.
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"Ich war ein
Nichts". Der amerikani-
sche Architekt Peter Eisenman über
seine jüdischen Wurzeln, die Angst
vor dem Bauen und die therapeuti-
schen Wirkungen seines Holocaust-
Mahnmals.
Fragen: Hanno Rauterberg. In:
DIE ZEIT Nr. 8, 12.02.2004
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