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Architekturpsychologie
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Die
Architekturpsychologie beschäftigt sich mit der Wir-
kung von Architektur auf ihre Nutzer und mit den psycho-
logischen Faktoren der Architekturentstehung und -ver-
mittlung.
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Themenschwerpunkte:
- Alter und Umwelt
- Arbeiten und
Arbeitsumfeld
- Farbpsychologie
- Frauen: Planen, Bauen,
Wohnen
- Gebäude-Evaluation
- Kommunikation
- Laienkonzepte über
Architektur
- Lernumwelten
- Nutzer-Beteiligung
- Spielen und Freizeit
- Stadt und öffentlicher
Raum
- Straßenraumgestaltung
- Therapeutische
Umwelten
- Wohnen und Wohnumfeld
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www.architekturpsychologie.org
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Geschichte:
In den 50er und 60er
Jahren des 20. Jh. nahm die Archi-
tekturtheorie "ihren Anfang mit der Frage, wie psychiatri-
sche Krankenhäuser so geplant werden können, daß ihre
architektonischen Eigenschaften die therapeutische Arbeit
mit den Patienten unterstützen. [...] Der Start mehrerer
Forschungsprogramme mit architekturpsychologischem
Schwerpunkt, Konferenzen und Kongresse und die Grün-
dung diverser Fachzeitschriften und -gesellschaften in den
USA und Europa um das Jahr 1965 herum markieren den
Beginn der Architekturpsychologie als eigenständiges
Fachgebiet. 1965 war auch das Jahr, in dem der deutsche
Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich als einer der Er-
sten seine Kritik an der 'Unwirtlichkeit unserer Städte' (1)
formulierte. Er zielte damit vor allem auf die nach dem
Krieg in großer Zahl entstandenen Wohnsiedlungen, die
von ihren Erbauern als Inbegriff von Modernität gepriesen,
von ihm jedoch als kalt, abweisend
und unmenschlich
kritisiert wurden. Unter den Themen, die er neben ande-
ren auf die architekturpsychologische Tagesordnung setz-
te, nahm das der Machtausübung durch architektonische
Planung einen zentralen Stellenwert ein: Gebäude sollten
in erster Linie ihren Nutzern dienen, sie vor Hitze, Kälte
Regen, Lärm schützen, neugierige Blicke von Fremden
abwehren, aber auch eine Heimat, einen Bezugspunkt,
letztlich Identität bieten. [...]"
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D. Leising: "die Macht der
Räume"
(A. s. o.), S. 34 f.
1) Alexander Mitscherlich: Die
Unwirtlichkeit unserer Städte.
Anstiftung zum Unfrieden. Suhr-
kamp, Frankfurt am Main 1965
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Aber auch schon viel
früher, in den 20er Jahren des
20. Jh. wurde die Notwendigkeit geäußert, in der Architek-
tur psychologische Sichtweisen zu berücksichtigen.
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Der Satz vom Menschen
als Maß aller Dinge galt als einer
der Leitsätze der architektonischen Moderne; zu fragen
war folglich, was den Menschen eigentlich ausmacht, d. h.
welchen Bedürfnissen Architektur zu genügen hat.
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Anfänge der Architekturpsychologie - zum Beispiel
Hannes Meyer
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Für Hannes Meyer (1889 -
1954) hatte Architektur den
Ansprüchen der modernen Naturwissenschaften zu ge-
nügen, d.h. sie sollte sich ausschließlich an objektiven
Kriterien orientieren. Am Maßstab der Objektivität wurden
auch die Nutzerbedürfnisse gemessen.
In "bauen"
(1928) schrieb Meyer:
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Hannes Meyer:
"Bauen", in:
?bauhaus?, Zeitschrift für Ge-
staltung, Dessau, 2 (1928) 4,
S. 12f.
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"[...]
1.
geschlechtsleben 4. gartenkultur 7. wohnhygiene 10. erwärmung
2. schlafgewohnheit 5.
körperpflege 8. autowartung 11. besonnung
3. kleintierhaltung 6.
wetterschutz 9. kochbetrieb 12. bedienung
solche
forderungen sind die ausschließlichen motive des wohnungsbaus. wir
untersuchen den ablauf des tageslebens jedes hausbewohners, und dieses
ergibt das funktionsdiagramm für vater, mutter, kind, kleinkind und mitmen-
schen. [...]"
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Und in "Bauhaus und
gesellschaft" (1929):
"[...]
wir erstreben
den größtmöglichen überblick über das volksleben,
die größtmögliche einsicht in die volksseele,
die größtmögliche kenntnis dieser volksgemeinschaft.
[...]"
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Hannes Meyer:
"bauhaus und
gesellschaft", in: ?bauhaus?, Zeit-
schrift für Gestaltung, Dessau,
3 (1929) 1, S. 2
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Für die Erforschung der
menschlichen Bedürfnisse hielt
Meyer die Methoden der Psychotechnik für geeignet.
Während seiner Zeit als Direktor des Bauhauses 1928 -
1930 strukturierte er die Architekturlehre entsprechend
seinen theoretischen Überzeugungen. Zur Architektur-
ausbildung sollten neben überwiegend technischen Fä-
chern auch Kurse in Psychotechnik gehören.
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Die Psychotechnik
etablierte sich zu Beginn des 20. Jh.
als Anwendung der Psychologie. Innerhalb der ange-
wandten Psychologie wurde unterschieden zwischen Psy-
chognostik als Lehre von der psychologischen Beurteilung
und Psychotechnik als Lehre von der psychologischen
Einwirkung. Obwohl die angewandte Psychologie theore-
tisch breit angelegt war, wurde sie bald identifiziert mit ih-
rem hauptsächlichen Wirkungsfeld, der Arbeit. Bald wurde
schließlich Psychotechnik als synonym mit angewandter
Psychologie verstanden, denn letztlich ging es sowohl in
der Diagnostik, als auch der Psychotechnik um die Opti-
mierung von Arbeitsabläufen.
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Der effiziente Einsatz
der menschlichen Arbeit war bald
als Kriterium für das Maß an Modernität und Wettbe-
werbsfähigkeit in Industrie, Transport- und Kommunika-
tionswesen erkannt worden. Daran orientierten sich die
modernen Naturwissenschaften. Zur Erforschung der
menschlichen Arbeitsleistung eignete sich besonders die
experimentelle Psychologie, die sich gegen Ende des
19. Jh. als eigenständige wissenschaftliche Disziplin he-
rausgebildet hatte.
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Die Psychotechnik baute
auf die experimentelle Psycho-
logie auf, die sich wiederum an den experimentellen Er-
kenntnismethoden der Physik orientierte: Angestrebt wur-
de eine möglichst vollkommen Reduktion alles Zufälligen
und Subjektiven. Die wissenschaftlichen Aussagen sollten
anhand wiederholbarer Experimente jederzeit nachprüfbar
und daher von der Individualität des Versuchsteilnehmers
unabhängig sein.
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Diese Bedingungen
entsprachen den Anforderungen der
modernen Arbeitswelt: die Arbeitskräfte waren prinzipiell
austauschbar, worum es ging, war lediglich die quantitativ
messbare Eignung zum mechanischen Vollzug vorge-
dachter Bewegungen. Die monotone Arbeit in den Fabri-
ken und Büros erforderte kaum Intelligenz und Kreativi-
tät, sondern fast ausschließlich Konzentrationsfähigkeit,
Disziplin und die Fähigkeit, sich unterzuordnen. Die Psy-
chotechnik lieferte Eignungstests, mit deren Hilfe die ge-
eigneten BewerberInnen herausgefiltert werden konnten,
und sie erforschte, wie die Leistungsfähigkeit der Arbeite-
rInnen weiter gesteigert werden konnte.
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Obwohl mit den Tests
aber ein äußerst eingeschränktes
Spektrum von Eigenschaften erfasst wurde, erzeugten
diese bald ein Bild vom Menschen, das die fehlenden As-
pekte vergessen, die psychotechnisch erfassten Werte
dagegen als wesentlich und vollständig erscheinen ließ.
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Kritik:
In der Praxis jenseits
der universitären Forschung diente
und dient die Architekturpsychologie selten der Erkenntnis
und architektonischen Umsetzung der Nutzerbedürfnisse
selbst, sondern vor allem Zwecken, die außerhalb der er-
klärten Ansprüche zu suchen sind:
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- Die ursprünglich sozialen Überlegungen zum
Minimum
an Wohnraum, das jedem Menschen zur Verfügung ste-
hen sollte ("Die Wohnung für das Existenzminimum",
1930 (2)) wurden zur Grundlage des sozialen Massen-
wohnungsbaus der 70er Jahre. Aus den unteren Grenz-
werten des gerade noch Zumutbaren und Erträglichen
wurden Richtwerte.
- Wenn architekturpsychologische Überlegungen in
die
Planung von Arbeits- und Büroräumen einfließen, dient
die Orientierung an den Bedürfnissen der Mitarbeiter
nicht vorrangig deren Wohlergehen, sondern findet An-
wendung, weil damit eine erkennbare Effizienzsteigerung
erwartet wird.
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Die Wohnung für das
Existenz-
minimum. 100 Grundrisse.
Herausgeber: Internationale
Kongresse für Neues Bauen
und Städtisches Hochbauamt
Frankfurt/Main
Verlag Englert und Schlosser,
Frankfurt/Main 1930
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- Im Hinblick auf die Planung von Gebäuden und
-räumen,
die dem Verkauf dienen (Ladenräume, Warenhäuser,
Shopping-Center, Passagen) dient die Kenntnis des Nu-
tzerverhaltens letztlich der Umsatzsteigerung.
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Die Anwendungsfelder
prägen in umgekehrter Richtung
wiederum die Forschungsmethodik:
- Favorisiert werden vor allem Methoden, die in den
ge-
nannten Bereichen anwendbar sind,
- die sehr allgemeine und verallgemeinerbare Daten
lie-
fern.
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Erkenntnisgrundlage der
Architekturpsychologie sind vor
allem breit angelegte Untersuchungen und Befragungen,
die statistisch ausgewertet werden.
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Dagegen werden
Erkenntnisse über konkrete Motive und
mögliche Bedeutungszusammenhänge verworfen, weil sie
nur deskriptiv und daher nicht umkehrbar sind und des-
halb keine Praxisanwendung ermöglichen.
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Ausnahmen bilden
Projekte, bei denen konkrete Nutzer
konkret beteiligt wurden; das Konzept partizipatorischen
Bauens findet heute aber kaum noch Anwendung und gilt
allgemein als gescheitert.
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Mit der
Verallgemeinerung und Objektivierung der archi-
tekturpsychologischen Erkenntnismethodik verbunden ist
ein eigenartig polarisierter Architekturbegriff:
Architektur ist entweder
"Architektenarchitektur", die ver-
meintlich vor allem der Selbstdarstellung von Architekten
dient, oder "gute" Architektur, die auf die Bedürfnisse der
Nutzer eingeht. (2)
Ich denke, daß die
Unterscheidung von "schlechter" und
"guter" Architektur insgesamt beruht auf einer einseitigen
Architekturauffassung. Nicht nur fehlt der zweckrationalen
"guten" Architektur das Maß an Kunst, das die "schlechte"
Architektur zu viel hat, sondern das Architektonische der
Architektur wird als solches missverstanden. Architektur
- als vermeintliche Baukunst - wird gleichgesetzt mit ei-
nem individualistisch-intuitiven Willkürakt. Nicht gesehen
wird, daß die Auseinadersetzung mit den sozialen, politi-
schen, historischen, kulturellen u.s.w. Bedingungen des
Bauens bereits Bestandteil des Entwerfens ist.
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(2) D. Leising: "die Macht der Räume"
(A. s. o.), S. 35:
"Hatte noch bis in die 70er Jahre hi-
nein in der Architektenausbildung die
Vorstellung vom architektonischen
Entwurf als intuitiv-kreativer Schö-
pfungsleistung, die vor allem künst-
lerischen Gesichtspunkten genügen
sollte, überwogen, so begann sich
nun eine nüchternere Sichtweise
durchzusetzen, die das bauen als ei-
ne Art Problemlösungsprozess an-
sah. Gebäude wurden jetzt eher als
Gebrauchsgegenstände betrachtet,
die im Hinblick auf verschiedene
Forderungen seitens der Nutzer ei-
ne zufriedenstellende Performance
(Leistung) bringen sollten. [...]
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Daher besteht das
Problem mit der "unwirtlichen" Archi-
tektur vielleicht gar nicht so sehr darin, daß Architekten
nicht die Bedürfnisse der Nutzer ihrer Entwürfe und Bau-
ten kennen oder erfahren können, als vielmehr darin, zu
erfahren, warum Architektur so ist wie sie ist. Diese Frage
kann aber jeweils nur konkret beantwortet werden.
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à Architektur
à Entwerfen
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Literatur:
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siehe Literaturliste unter
http://www.architekturpsychologie.org/
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ältere Literatur:
Informationszentrum Raum und Bau der
Fraunhofer-Gesellschaft IRB (Hrsg.):
Bau- und Wohnpsychologie. IRB - Literaturauslese
Nr.991, 2. erw. Aufl., IRB ? Verlag, Stuttgart 1989
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online verfügbare Texte
zur Architekturpsychologie:
http://wwwpsy.uni-muenster.de/inst3/AEbromme/web/Service/Archtext.htm
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weblinks:
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http://www.architekturpsychologie.org/
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http://www.iap-netz.de/
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Seiten verantworte ich mich ausdrücklich nicht.)
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Verfasserin:
Katrin Lederer Dipl.-Ing.
Architektur
E-Mail: katrinlederer@web.de
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Seite zuletzt aktualisiert am:
03.05.2005
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