Günter Behnisch |
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In einem Interview mit DIE ZEIT, im Februar 2004: BEHNISCH: [...] Aber man kann und sollte nicht alles steuern, finde ich. Sonst kommt da am Ende so eine Platzanweiser-Architektur heraus, die alles bestimmen will. Nein, in meinen Häusern darf es auch Widersprüche geben, die wollen nicht unbedingt Recht haben. Sie sind offen für vieles, auch für Veränderungen in sich selbst. [...] Also, dass ich auf dem Land aufgewachsen bin, hat schon bestimmte Vorstellungen in mir erweckt. Dass man zum Beispiel einen Ort nicht mit Mauern umgrenzen und einengen muss. Da steht ein Baum, da fließt in Fluss, da läuft ein Igel rum, das ist mehr so meine Welt. Und so sehen unsere Gebäude ja auch aus, da laufen überall Igel rum. Wichtig ist für mich, dass die Dinge in der Landschaft miteinander reden - der Bach mit dem Hang und der Hang mit dem Feld. So ist das in unserer Architektur auch. Die Dinge treten ein in ein Gespräch, und ich verlange nicht von ihnen, dass sie strammstehen. ZEIT: Sie reden von Dingen, als seien es Menschen. BEHNISCH: So empfinde ich sie. Dahinter steckt sicherlich der Wunsch, ihnen Eigenart zuzusprechen. Denn gerade in der Vielfalt der Materialien und Formen lebt für mich so etwas wie Freiheit, eine Freiheit, in der Dinge zu sich selbst finden können. Mir gefällt es halt, auch ein Lochblech oder irgendein anderes Teil, das im praktischen Leben ausgemustert worden oder schlecht behandelt worden ist, wieder gut zu behandeln. ZEIT: Woher rührt Ihr Hang zum Unperfekten? BEHNISCH: Der Mensch ist nicht perfekt, warum sollte es die Architektur sein? Bei der Literatur ist das ja auch so: Wenn jemand alles aufzählt, ist doch der Spaß raus. Wenn Lücken drin sind, kann die Phantasie weiterarbeiten. Verstehen sie, das ist etwas ganz anderes als preußische Architektur. [...] |
"So ein bisschen Schweben. ZEIT-Gespräch mit dem großen alten Mann der deutschen Architektur: Günter Behnisch über seine Erfahrungen als U-Boot-Kommandant, seine Liebe zur Landschaft und seinen letzten Wunsch". Fragen: Hanno Rauterberg. In: DIE ZEIT Nr. 8, 12.02.2004 |
| Verfasserin: Katrin Lederer Dipl.-Ing. Architektur E-Mail: katrinlederer@web.de |
Seite zuletzt aktualisiert am 13.05.2005 |
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